musenkuss

365 Tage, 300 Wörter, 1 Blog
 

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Hallo,ich würde euch gerne mein Projekt vorstellen, welches den Namen trägt:

 

365 Tage, 300 Wörter, 1 Blog

 

Ich werde ab morgen 365 Tage lang jeden Tag mindestens 300 Wörter  schreiben, die ich dann in diesem Blog veröffentliche. Es sollen nicht einfach 300 Wörter über ein Thema sein, das mich gerade interessiert, sondern es sollen 300 Wörter in Form von (Kurz-)Geschichten und anderen literarischen Texten sein. 

Das wichtigste Ziel dieses Projekts ist aber nicht die Qualität der Texte, sondern der Weg dahin. Das heißt: Ich werde sie auch veröffentlichen, wenn sie nicht fertig gestellt sind, wenn sie schlecht sind (ich hoffe, davon wird es dann nur wenige geben..:D) und, wenn sie  in sonstiger Art und Weise nicht gelungen sind.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und hoffe, es gefällt euch!

 

 

Alter: 18
 


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Blog

"Pliiiiiiiiing"- Partner weich gekocht bitte 2

Vor mir wechselt mein Date. Statt der Frau mit den lila-blauen Haaren, die die letzten drei Minuten bei mir war und mir gruselige Fragen gestellt hat, wie „ Hast deine Wohnungstür eigentlich ein Sicherheitsschloss?“, setzt sich nun eine Wasserstoffblondine an meinen Tisch. Meine Strategie ist: lächeln und nicken. Ich bin eh nicht auf der Suche nach einer Freundin. Die Frau die sich vor mich gesetzt hat, ist um die 25, also ungefähr in meinem Alter. Sie hat schrecklich Haare, die aussehen wie ein Bleich-Experiment, das schief gegangen ist. Ihre Augen sind blau, was man aber nur schwer erkennen kann, da sie ich-weiß-nicht-was mit ihren Wimpern gemacht hat. Man kann die einzelnen Härchen nicht mehr erkennen, es gibt einfach nur einen schwarzen Streifen, der die Augen total verdeckt, was aber ganz gut ist, da diese Frau dermaßen stupide guckt, dass man fast Angst hat, dass, wenn man denn in ihre Augen schauen könnte, man direkt zur Hinterwand ihres Kopfes durchschauen würde (also hat sie quasi ein non-existentes Gehirn&hellip.

Ich zeige ihr mit einer Handbewegung, dass sie ruhig anfangen kann.  „ Schibüllö. Isch libböö“, dann kommt etwas, dass ich überhaupt nicht verstehen kann und das nächste was ich verstehe: „Bugschi. Meiiin Kudschelpetah. Isch arbäte als“- „Pliiiiiiiiiiiiing“, der Ton hinterlässt Interferenzen in meinem Kopf, und dann „Fhuuuuuuuuuuuuuuuuuaang“. Ehrlich. Ich habe nichts von dem verstanden, was sie gesagt hat.

28.4.16 20:10, kommentieren

"Pliiiiiiiiing"- Partner weich gekocht bitte

„Speedo-Speed.“

Ich hätte wissen müssen, dass da nichts Vernünftiges bei rauskommen kann. Schon als ich den Namen des Veranstalters gelesen habe, hätte mir klar sein müssen, dass kein seriöser Speed-Dating-Veranstalter sich „Speedo-Speed“ nennt. Das klingt eher nach einer Firma, die schrottige Speed-Boote verkauft.

Aber gut, ich hatte meinem besten Freund Sven versprochen, dass ich des seelischen Beistands wegen mitkommen würde. Desto länger ich allerdings hier bin, desto klarer wird, dass er mir seelischen Beistand wird leisten müssen, wenn ich zum bald zum Therapeuten gehe. Und das seinetwegen.

Ich hatte ihm ja meine Meinung gesagt, dass dieses Dating-Format nur von komischen Menschen genutzt wird, oder das höchstens One-Night-Stands vermittelt werden, anstatt die große Liebe, wie es hier so schön angepriesen wird. Als ich diese Meinung vertrat, hatte ich aber noch nicht gewusst, dass das ein Speedo-Speed-Dating ist. Wer jetzt dachte, er macht sich mit seinem gegenüber schön gemütlich innerhalb von zehn Minuten bekannt, der hat sich getäuscht! Nicht mit „Speedo-Speed“! Denn Speedo-Speed war der Meinung herausstechen zu müssen, aus dem endlosen Meer verzweifelter Speed-Dating-Anbieter. „Speedo-Speed“kam auf die wunderbare Idee, dem ganzen mehr Pfiff zu geben. Die zehn Minuten wurden wohlwollend gekürzt! Hah! Das ich nicht lache! Auf ganze drei Minuten. Drei. Minuten. Also, ich weiß ja nicht, wie Sie so Konversation betreiben, aber wenn man in drei Minuten einen zukünftigen Partner auswählen soll, wie läuft dann bitte die Konversation ab? Verstehen Sie jetzt mein Problem? Da die Dating-Zeit drastisch auf die drei Minuten gekürzt wurde -übrigens kocht man in drei Minuten weich gekochte Eier (und ich persönlich möchte keinen weich gekochten Partner)- konnte „Speedo-Speed“  es ermöglichen, statt der normalen zehn bis fünfzehn Teilnehmer, ganze zwanzig Teilnehmer aufeinander loszulassen.

Runde drei. Schon zum dritten Mal musste ich mir die bescheuerte Klingel anhören. „Pliiiiiiiiiiiiiiiiing“, und nach drei Minuten wieder: „Pliiiiiiiiiing“ und wieder „Pliiiiiiiiiiiiing“. Es nimmt einfach kein Ende. Ich befinde mich in einem Neonröhren-beleuchteten, vollgetischten  Kasten  voller Irrer, die mir innerhalb von Eierzeiten in abgehackten Sätzen ihr Leben erzählen  und jede drei Minuten kommt der Veranstalter (ein Inder, der unserer Sprache nicht mächtig ist), lächelt und haut auf den Pliiiiiinger, wie ich ihn getauft habe. Eine riesige Klingel, vor der ein Mikrofon steht, das völlig unnötig ist, da man das „Pliiiiiiing“ ohne Mikro schon bis nach Indien hören würde. Mit dem Mikro allerdings zerschmettert es einem das Trommelfell, wobei ich mir sicher bin, dass Tulsil (der indische Meister des Pliiiiiiings) das nicht hört, denn bei jeder neuen Runde schreit er „Fhuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuaang“ in die Runde. Ich bin mir sicher, dass es „fun“ heißen soll, aber ich werde mich hüten, nachzufragen.

27.4.16 21:37, kommentieren

Freut mich.

„Freut uns.“ Ein Einfaches „Freut uns.“ Hey, wenigstens hatte er sich die Mühe gemacht und dahinter noch einen Punkt gesetzt. Wenigstens hatte sie einen grammatikalisch korrekten Satz bekommen, dachte sie.

Sie schloss ihr E-Mail-Konto und stöhnte laut auf. Das war also die familiäre Bindung, die sie hatte. „Freut uns.“  Lächerlich, einfach lächerlich. Und obwohl es so lächerlich war, ging ihr dieser Satz nicht mehr aus dem Kopf.  Na gut, es war eine Sache, dass er noch nicht einmal ein „Guten Tag“ davor  setzen konnte, genauso wie es eine Sache war,  das „viele Grüße“ am Ende wegzulassen.  Eine andere Sache ist es, einen fucking Satz zu schreiben.  Und das, obwohl sie sich extra Mühe gemacht hatte. Sie hatte ihm alles Mögliche geschrieben; von ihrem Leben, was alles so passierte, wie es ihr ging...

Sie hatte gewusst, dass es ihn nicht interessieren würde, aber sie schrieb es trotzdem, denn so konnte sie ihm wenigstens das Gefühl vermitteln, dass es ihr wichtig war, dass er sich Interessierte. War es zwar nicht, aber das musste er ja schließlich nicht wissen.  Sie überlegte, was sie darauf antworten sollte. Sie überlegte lange, denn was antwortet man auf einen Satz, der auf eine lange E-Mail folgte, in der verschiedenste Fragen und Feststellungen gelistet waren.  Irgendwann öffnete sie dann ihr E-Mail-Konto und tippte „ Freut mich“.

24.4.16 12:23, kommentieren