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"Pliiiiiiiiing"- Partner weich gekocht bitte

„Speedo-Speed.“

Ich hätte wissen müssen, dass da nichts Vernünftiges bei rauskommen kann. Schon als ich den Namen des Veranstalters gelesen habe, hätte mir klar sein müssen, dass kein seriöser Speed-Dating-Veranstalter sich „Speedo-Speed“ nennt. Das klingt eher nach einer Firma, die schrottige Speed-Boote verkauft.

Aber gut, ich hatte meinem besten Freund Sven versprochen, dass ich des seelischen Beistands wegen mitkommen würde. Desto länger ich allerdings hier bin, desto klarer wird, dass er mir seelischen Beistand wird leisten müssen, wenn ich zum bald zum Therapeuten gehe. Und das seinetwegen.

Ich hatte ihm ja meine Meinung gesagt, dass dieses Dating-Format nur von komischen Menschen genutzt wird, oder das höchstens One-Night-Stands vermittelt werden, anstatt die große Liebe, wie es hier so schön angepriesen wird. Als ich diese Meinung vertrat, hatte ich aber noch nicht gewusst, dass das ein Speedo-Speed-Dating ist. Wer jetzt dachte, er macht sich mit seinem gegenüber schön gemütlich innerhalb von zehn Minuten bekannt, der hat sich getäuscht! Nicht mit „Speedo-Speed“! Denn Speedo-Speed war der Meinung herausstechen zu müssen, aus dem endlosen Meer verzweifelter Speed-Dating-Anbieter. „Speedo-Speed“kam auf die wunderbare Idee, dem ganzen mehr Pfiff zu geben. Die zehn Minuten wurden wohlwollend gekürzt! Hah! Das ich nicht lache! Auf ganze drei Minuten. Drei. Minuten. Also, ich weiß ja nicht, wie Sie so Konversation betreiben, aber wenn man in drei Minuten einen zukünftigen Partner auswählen soll, wie läuft dann bitte die Konversation ab? Verstehen Sie jetzt mein Problem? Da die Dating-Zeit drastisch auf die drei Minuten gekürzt wurde -übrigens kocht man in drei Minuten weich gekochte Eier (und ich persönlich möchte keinen weich gekochten Partner)- konnte „Speedo-Speed“  es ermöglichen, statt der normalen zehn bis fünfzehn Teilnehmer, ganze zwanzig Teilnehmer aufeinander loszulassen.

Runde drei. Schon zum dritten Mal musste ich mir die bescheuerte Klingel anhören. „Pliiiiiiiiiiiiiiiiing“, und nach drei Minuten wieder: „Pliiiiiiiiiing“ und wieder „Pliiiiiiiiiiiiing“. Es nimmt einfach kein Ende. Ich befinde mich in einem Neonröhren-beleuchteten, vollgetischten  Kasten  voller Irrer, die mir innerhalb von Eierzeiten in abgehackten Sätzen ihr Leben erzählen  und jede drei Minuten kommt der Veranstalter (ein Inder, der unserer Sprache nicht mächtig ist), lächelt und haut auf den Pliiiiiinger, wie ich ihn getauft habe. Eine riesige Klingel, vor der ein Mikrofon steht, das völlig unnötig ist, da man das „Pliiiiiiing“ ohne Mikro schon bis nach Indien hören würde. Mit dem Mikro allerdings zerschmettert es einem das Trommelfell, wobei ich mir sicher bin, dass Tulsil (der indische Meister des Pliiiiiiings) das nicht hört, denn bei jeder neuen Runde schreit er „Fhuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuaang“ in die Runde. Ich bin mir sicher, dass es „fun“ heißen soll, aber ich werde mich hüten, nachzufragen.

27.4.16 21:37

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